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Sardinien - auf unbestimmte Dauer

Wir sind in Italien auf Sardinien hängen geblieben, da seit dem "lock down" keine Fähre mehr ans Festland fährt. Es war absehbar und so haben wir uns bereits ein paar Tage vorher vom Süden Sardiniens mit großen Schritten auf den Weg Richtung Norden gemacht, wo sich alle Fährhäfen befinden, um aus Italien heraus und wenigstens nach Frankreich bzw aufs Festland übersetzen zu können. Dienstagmorgen kamen wir am Hafen an - leider 10 Std zu spät, der "lock down" erfolgte bereits am späten Vorabend. Nichts ging mehr.

Wir sitzen die weltweite schwierige Lage nun auf der Insel aus, versteckt in einem kleinen Ferienhaus mit einem wunderschönen Garten, welches sich im Hinterland vom Nordosten der Insel befindet - eingedeckt mit Lebensmitteln und Wasservorräten, die für ca. 6 Wochen ausreichen sollten. Auf dem Grundstück steht auch unser Camper. So romantisch das klingt, ist es leider nicht, denn die Bewegungsfreiheit wurde mit dem "lock down" radikal eingeschränkt und wird von der Polizei an den Ein- und Ausfahrten jeder Gemeinde streng überwacht. Wir dürfen nur noch mit einem ausgedruckten Zertifikat zum Supermarkt und auf direktem Weg zurück zum Haus. 

Die Lage in Italien ist insgesamt sehr dramatisch. Dagegen geht es auf Sardinien noch einigermaßen entspannt zu. Aber wir fühlen uns nicht wohl in unserer Haut, da wir alle Zügel aus der Hand legen mussten und handlungsfähig sind. Wir sprechen die Sprache nicht (nutzen nun aber die Gelegenheit, um ein bisschen italienisch zu lernen), wir kennen niemanden mit dem man sich vor Ort austauschen kann, unsere Auslandskrankenversicherung ist aufgrund dessen, dass wir uns als Deutsche im Sperrgebiet aufhalten, nicht mehr gültig und wir bangen um unsere Liebsten in Deutschland, die schon betagter sind und auf Hilfe angewiesen sein werden - jenen können wir jetzt nicht unterstützend zur Seite stehen. Das ist traurig. Wir versuchen nun das Beste aus der Situation zu machen und die Zeit vor Ort sinnvoll zu nutzen. 

Trotzdem, unser allgemeines Fazit: diese radikalen Maßnahmen sind wichtig und richtig und die einzig konsequente und verantwortungsbewusste Entscheidung, die zu diesem Zeitpunkt getroffen werden konnte. Deutschland zieht hoffentlich bald hinterher und eiert nicht weiter herum. Wir sollten keine Zeit verschwenden und nicht die gleichen Fehler machen wie Italien zu Beginn der Krise. Wir haben doch an diesem Vorbild anschaulich beobachten können, wozu die  Versäumnisse gerade am Anfang geführt haben. Die Zeit abzuwarten, bis sich "das Virus wie durch ein Wunder in Luft auflöst" (wie eine berühmte Persönlichkeit in den USA prognostizierte) scheint kein geeigneter Lösungsweg zu sein. Das Rechenmodell, wie schnell sich das Virus bei einer exponentiellen Ansteckungsrate verbreitet, ist einfach. Die Krankenhäuser werden das nicht schaffen, das Gesundheitssystem kollabieren. Zudem kann bei einer erwarteten Durchseuchung von 70% (ca 60 Mio Deutsche) und einer Mortalität von 0,7% jeder ausrechnen, welche Verluste das bedeutet. Und es wird vor allem die Alten und Kranken unserer Gesellschaft treffen. Egoisten, die das alles immernoch als Hysterie und Panikmache abtun und meinen, sie selbst seien jung, gesund und nicht betroffen, haben nicht verstanden, worum es geht. Dafür habe ich keinerlei Verständnis. Die Welt wird hinterher nicht mehr die Gleiche und die Folgen in vielerlei Hinsicht zu spüren sein. 

Sobald es wieder einen Weg für uns zurück nach Deutschland gibt, müssen wir uns dort zunächst in häusliche Quarantäne begeben, da wir aus der roten Zone kommen. Aber es spielt keine Rolle, ob das in zwei Wochen ist oder zu einem späteren Zeitpunkt. Europa klappt ohnehin im Moment an allen Grenzen den Rollladen runter und stellt sich auf den Tsunami ein, der darüber hinweg rollen wird. So lange die Versorgung nicht zusammenbricht, stehen wir hier erstmal gut und sicher. Wobei uns vom Vermieter aus Rom geraten wird, uns erstmal bedeckt bzw. versteckt zu halten, bis die Situation sich eingespielt hat. Die Polizei reagiert momentan noch etwas empfindlich auf alles, für dass es noch keine definierten Prozesse gibt, wie z.B. zwei deutsche Touristen, die eigentlich nicht hier sein sollten. Wir werden voraussichtlich zwei bis drei Monate auf Sardinien bleiben und unsere Reise auch danach für dieses Jahr bis auf Weiteres unterbrechen, um zu Hause nach dem Rechten zu sehen. 

Die Folgen werden für so viele Menschen verheerend sein. Viele, auch im nahen Freundeskreis, stehen jetzt schon vor den Scherben ihrer Existenz und vor der Insolvenz, weil sie selbständig arbeiten und unmittelbar betroffen sind. Es ist ein Alptraum. Aber vielleicht wacht die Welt auch auf. Auf einmal geht so vieles, was für nicht umsetzbar gehalten wurde. Seit langer Zeit war die Luft über Peking nicht mehr so klar und rein wie heute. Vielleicht bekommen Ärzte und Pflegepersonal endlich die Anerkennung gezollt, die ihnen gebührt. Vielleicht passt diese profitorientierte Politik in Zukunft besser auf das fragile Gut "Leben" auf. Vielleicht muss nicht alles zu Tode globalisiert und in der Ferne wenig nachhaltig und billig produziert werden. Vielleicht werden wir menschlicher, verletzlicher, mitfühlender und weniger selbstbezogen nachdem dieser Schock ein Trauma hinterlassen hat und wir gemeinsam an die Grenzen unserer Ängste gegangen sind. Darunter auch irrationale Ängste vor allen Dingen, die wir nicht kennen und verstehen. Vielleicht führt das alles zu einem neuen Verständnis und zu mehr Gemeinschaft. Wir werden sehen. Es bleibt die Hoffnung, dass sich die Gesellschaft trotz grosser Verluste wieder zurück auf Werte besinnen kann. 

Das mag für manch einen, der sich sicher fühlt, momentan absurd und schwarzmalerisch klingen. Aber wir berichten mitten aus dem Brennpunkt. Die Italiener unterstützen sich mit so viel Solidarität und Optimismus, um ihre Isolation zu überwinden, wie zum Beispiel damit, gemeinsam aus ihren Fenstern und Wohnungen zu singen. Spanien hat gestern Abend um 22 Uhr in allen spanischen Städten  geschlossen dem überlasteten Pflegepersonal "standing ovations" aus der häuslichen Quarantäne heraus von ihren Balkonen aus gegeben... Das ist absolut berührend und ermutigend. Die Menschen geben sich gegenseitig Hoffnung. 

Passt auf euch und auf alle älteren, schwachen und kranken Mitmenschen gut auf! Unterstützt diese und euch gegenseitig wo ihr nur könnt. Übernehmt Verantwortung! Mit Solidarität können wir viel erreichen! 

Stay safe! 

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Pannen, Pech und Pleiten gehören auch dazu...!


Januar 2020: mittlerweile sind wir von unserer 5-wöchigen Reise durch Kolumbien und Panama wieder zurück in Frankfurt. Leider haben wir diese Länder nicht wie geplant mit Bus und unserem Hund Gorbi bereist. Eigentlich wollten wir unser bereits im November nach Panama verschiffen und von dort durch Zentralamerika, Mexiko, USA und Kanada bis hoch nach Alaska fahren. Aber es kam ein wenig anders: Wir wollten bereits Ende September ein B2 Visum bei der Botschaft in München beantragen, mit dem wir auf dem Weg nach Alaska für 6 Monate durch die USA reisen können. Das Interview verlief positiv und bereits nach 5 Minuten hieß es unsere Visa seien bewilligt. Es bräuchte nun ca 3-5 Tage, bis der normale administrative Prozess abgeschlossen sei und wir unsere bis dahin einbehaltenen Reisepässe abholen könnten, in denen dann das B2 Visum eingeklebt wurde. Wir haben uns gefreut wie reibungslos und einfach alles verlaufen ist und haben daraufhin noch am gleichen Tag angestoßen
 und die Reise für den bevorstehenden Roadtrip durchgebucht: Flüge, Verschiffung des Reisemobils, Hostel & Mietwagen für die Wochen bis das Mobil per Frachtschiff ankommt und einen Flug für unseren Hund Gorbi. Die monatelange Routen- und Reiseplanung, um mit Wohnmobil und Hund in 1,5 Jahren durch 10 Länder von Panama bis nach Alaska zu reisen hatten wir zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen. Nun, Michi bekam seinen Pass nach wenigen Tagen zurück. Nach drei Wochen war mein Pass immer noch nicht da, der Abreisetermin rückte langsam näher. Zwei Wochen vor Abflug kam dann eine  Aufforderung vom US Konsulat, dass ich mich nun einer weiteren Sonderbefragung unterziehen muss (ein Degret, das von Herrn Trump 2017 ins Leben gerufen wurde) , da ich eine potentielle Gefahr für die USA darstelle. Ich habe zu viele US kritische Länder bereist und soll neben unzähligen weiteren Fragen aussagen wann und in welchem Grad ich eine militärische Ausbildung gemacht habe, Adressen und Geburtsdaten meiner aktuellen und ehemaligen Lebensgefährten und Partner, sämtliche Arbeitgeber und Tätigkeiten, eine chronologische Auflistung aller Länder die ich jemals bereist habe, inkl Angabe der Gründe für die Reise sowie bereiste Orte im jeweiligen Land und Angaben dazu wie ich die jeweiligen Reisen finanziert habe, etc etc...  
Schmeichelhaft: dieses Degret trifft nur 0,5 % aller Menschen weltweit, vornehmlich Syrer, Iraker und Saudis oder Menschen die für den Staat "arbeiten". Die Überprüfung meiner Angaben dauert Stand Mitte November ca 2 weitere Monate. Da wir mittlerweile aufgrund der zunächst positiven Aussage des Konsulat bereits alles gebucht hatten und vieles nicht mehr stornieren konnten, haben wir drei Tage vor dem Verschiffungstermin unseres Reisemobils schweren Herzens die Verschiffung gekanzelt und uns schwer enttäuscht Ende November alleine in den Flieger geschwungen, damit die Flüge und Unterkünfte nicht verfallen. Gorbi wollten wir zwei Langstreckenflügen für eine umdefinierte normale Urlaubsreise nicht antun und haben seinen Flug ebenso storniert. Ich habe Kolumbien und Panama mit einem vorläufigen Pass bereist, den ich Ende diesen Jahres persönlich wieder in Frankfurt abgeben muss. Erst ab Januar können wir die Reise mit meinem regulären Reisepass fortsetzen. Mittlerweile habe auch ich ein B2 Visum im Pass kleben. Wann und wohin es für uns weiter geht, wissen wir im Moment noch nicht so recht. Momentan liebäugeln wir damit, im Januar in den Dolomiten mal für ein paar Wochen Wintercamping im Schnee auszuprobieren und danach mit der Fähre nach Sardinien überzusetzen. Auf Sardinien und Korsika wollen wir das Frühjahr verbringen, um Anfang Mai einen neuen Versuch zu starten, nach Übersee zu verschiffen. 

BeschreibunCevennen, Provence, Ardeche und die Rhone-Alpes genauer angesc