Nadja's Ode an Uganda

Uganda - die Perle Afrikas, wie bereits Sir Winston Churchill es kurz und knapp auf den Punkt brachte. Das Land ist atemberaubend - ich bin sprachlos! Wenn ich jemandem etwas beschreiben muss, der das Objekt der Beschreibung nicht kennt, versuche ich es ihm in möglichst vielen Facetten nahe zu bringen, so als würde ich es einer Person mit verbundenen Augen erklären. Ließe man mich jedoch mit dieser eingeschränkten Voraussetzung drei verschiedenen Personen das Gemälde "Die Reise nach Amazonien" beschreiben und diese müssten - jeweils mit verbundenen Augen - malen, was ihnen an Attributen an die Hand geliefert wurde: es würden drei völlig unterschiedliche Bilder entstehen. Zum einen gibt zu viele Sinneswahrnehmungen. Zum anderen sind diese je nach den persönlichen Erfahrungen des Beschreibenden und dem, was er daraus gelernt hat subjektiv. Man sieht, was man kennt. Dadurch werden durch die Subjektivität des Subjekts ggf bestimmte Details ausgeblendet und auf andere wiederum ein Focus gelegt. Die Welt ist so, wie man sie sieht. Ich bezweifle, dass es eine objektive Welt gibt.

Bei der Beschreibung eines Stuhls mag das Experiment ggf noch gelingen. Das Sachlich-Objektive und die subjektiven Wahrnehmungen sind hier begrenzt. Ich könnte die Beschaffenheit und Struktur des Holzes, Stil, Haptik, Farbe und Geruch sowie die Geometrie, die Art der Herstellung bzw des Handwerks und die Zeit der Entstehung beschreiben und so eine relativ genaue Vorstellung des realen Objektes im Kopf des anderen erzeugen. Aber an der Beschreibung Ugandas scheitere ich kläglich.

 

Allein aus Respekt und Ehrfurcht gegenüber diesem Land und den darin lebenden Menschen traue ich mich nicht so recht an eine Beschreibung heran, die am Ende der Vollkommenheit nicht würdig und umfassend genug ist. Zudem: Verrät eine Beschreibung letztendlich nicht mehr über den Beschreibenden als über das zu beschreibende Objekt an sich? Daraus folgernd handelt es sich immer um ein Wagnis, mit einem Kommentar etwas unbewusstes oder gar ungewolltes von sich Preis zu geben, da es anderen Einblick in die eigene Seele gibt - zumindest dem geschulten Auge. Lange Rede, kurzer Sinn, eigentlich wollte ich keine Kaffeekuchenfahrt durch die Geschichte der Philosophie und Soziologie unternehmen, sondern versuchen, Uganda zu beschreiben.

Ich heiße euch hiermit herzlich Willkommen auf "Nadja's Odè an Uganda" und lade euch ein, dieses unbeschreibliche Land durch meine Augen zu kennen zu lernen. Wo soll ich anfangen? Spontan erinnere ich mich an ein Zitat: "Auf eine Weltreise geht man mit alten Vorurteilen und kommt mit neuen wieder".

 

 

Wer, wie auch wir vor der Abreise, bei Uganda an das Schreckens-Regime von Milton Obote (1963 - 1972) und Idi Amin (1972 - 1979), Völkermord, politische Unruhen, die von Joseph Kony ins Leben gerufene grausame LRA (Lord Resistance Army), zum Großteil bestehend aus mit Drogen vollgepumpten Kindersoldaten, sowie an eine hohe Kriminalitätsrate und Armut denkt, entscheidet sich bei einer anstehenden zweiwöchigen Urlaubsreise gegebenenfalls doch lieber für Thailand oder Mexiko. Zweifellos blickt Uganda auf eine schwierige Geschichte zurück. Jedoch ist von all dem in der Gegenwart nichts mehr zu spüren. Real sind dagegen die aktuellen Kämpfe der Rebellenarmee M23 der demokratischen Republik Kongo gegen Milizen im grenznahen Gebiet und die daraus resultierenden Flüchtlingsströme nach Uganda sowie der temporäre Ausbruch von Ebola im Juli/August 2012. Auch diese Fakten haben so manchen sicherlich auch noch in letzter Zeit von einer Reise nach Uganda abgehalten. Zum Glück! Denn dieses Land ist vom Massentourismus komplett verschont geblieben, der nicht selten Stück für Stück die Natur zerstört, massiv in die Kultur eingreift, das Verhalten der Einheimischen manipuliert und am Ende ein völlig falsches Bild vom Land widerspiegelt und transportiert.

Aller Warnungen - inkl. denen des auswärtigen Amtes - zum Trotz, sind wir nach Uganda gereist, hauptsächlich um den letzten lebenden Berggorillas in den Nebelwäldern von Bwindi zu begegnen. Vom internationalen Flughafen in Entebbe haben wir zunächst nochmal das ganze Land von Ost nach West mit dem Auto durchquert, um bei Kibale unsere Tour zu starten, die bis auf die Murchison-Wasserfälle im Norden, die wichtigsten und schönsten Schätze des Landes zu bieten hat. Wir haben uns auf den Rat unseres afrika-affinen Tropenarztes hin für einen Veranstalter entschieden, der organisierten Ökotourismus für Reisen durch das Land anbietet. Was die Reise zwar etwas teuerer macht, aber dennoch jeden Cent wert ist. Zudem wird damit "Volcanoes Safaris Partnership Trust" unterstützt: eine non-profit Organisation, welche mit einem Teil der Gelder aus dem Öko-Tourismus erhaltende und nachhaltige Aktivitäten für Gesellschaft und Umwelt in Uganda und Ruanda fördert. Von vielen angestoßenen Projekten können wir uns während der Tour vor Ort selbst ein Bild machen.

Bereits während der Fahrt im  Jeep sitze ich mit großen, staunenden Augen hinter den Fensterscheiben und kann es gar nicht mehr abwarten, auszusteigen und zu einem Teil dieser Landschaft zu werden, mich darin zu bewegen oder still mit einem Glas Wein auf der Terrasse einer Banda zu sitzen, die Fühler auszustrecken und alles einzuatmen. Würde mich jemand nach dem schönsten Land dieser Erde fragen, ich würde ihm Uganda - ohne meine anderen Träume bereist zu haben - aus dem Stegreif als einen der schönsten Flecken dieser Erde nennen. Mir fällt nichts Ironisches ein, um den Anblick und die  Schönheit des Landes zu beschreiben, ohne kitschig zu werden. Wie oft war ich von vielen Fernreisen enttäuscht, bei denen mir über die Reiseveranstalter die "Perle der Südsee", das "magische Afrika" oder die "Weiten Amerikas" versprochen wurde. Aber ich bin stets auf der Suche geblieben. Habe mir sogar erdreistet zu behaupten, Südafrika habe nichts mit Afrika zu tun, dem Afrika in meinem Kopf - jedoch kannte ich zu diesem Zeitpunkt vom afrikanischen Kontinent lediglich Südafrika.

 

Bereits, als wir im Landeanflug waren und kurz darauf in Entebbe/Uganda aus dem Flieger ausgestiegen sind und ich die feuchte, schwere Luft eingeatmet habe, hat sich ein ruhiges und ganz tiefes, wissendes Gefühl eingestellt, gemischt mit Aufregung und Neugier. Ich wusste: "Ich bin da wo ich sein will" 

Wir bewegen uns von Entebbe Richtung Kibale Forest knapp nördlich des Äquators und werden diesen auf dem Weg nach Bwindi, wo wir die Gorillas im "Impenetrable Rainforest" besuchen, queren. Die Landschaft ist saftig grün, dicht und schillert in satten Farben. Die Stände, Märkte, Hütten und Häuser am Straßenrand wirken beschaulich, bunt und lebendig. Die Menschen strahlen Ruhe und Souveränität inmitten des quirligen Chaos aus Mofas, Autos, Fahrrädern, Kindern und Kühen auf der Straße aus. Wir passieren Teeplantagen, Regenwald, Hügel, Berge, Flüsse, Seen und fruchtbare Felder. Unzählig verschiedene Grüntöne und genauso viele verschiedene Pflanzenarten und -Formen ergeben ein Bild, an dem jeder Botaniker seine reine Freude hätte. Die Ndali-Lodge liegt weit oben auf einem Berg auf einem schmalen Hochplateau mit 360° Fernblick. Die ferner und niedriger liegenden Hügelketten, welche die glitzernden Krater-Seen mit ihren steil abfallenden Ufern umschließen, verlaufen sich im Sonnenuntergang bis zum Horizont in fünf verschiedenen Grautönen. Dazwischen hängt ein malerischer, bläulicher Dunst. Von unserer Lodge können wir von oben auf einen der milchig-blauen, glatten Kraterseen hinunter blicken, der von dichtem Dschungel umrandet ist und hören in der Dämmerung den Lärm vom Schreien der Affen, das Zirpen der Zikaden, das aufgeregte Zwitschern der Vögel und das monotone Gequake der Frösche. Zur anderen Seite eröffnet sich ein Panoramablick über die nahe gelegenen Hügelketten hinweg hinüber zum Rwenzorigebirge, hinter dessen 5000er, dem höchsten Berg in Uganda, im Westen die Sonne versinkt. Das weiche Licht und der brennend rote Himmel lässt die Farben aller Pflanzen leuchten und verstärkt die Kontraste. Ein Traum für Liebhaber der Fotografie - und eine Herausforderung, die Szenerie so einzufangen, wie sie real erlebt wird.

Nach ein paar Tagen ist es nicht nur die Landschaft, die mich absolut ergreift. Es sind die Menschen, die anfangen, mich immer mehr zu faszinieren. Die Frauen sind freundlich und sanft wie Federn, die Stimmen weich und samtig und alle bewegen sich aufrecht und anmutig wie Gazellen. Wunderschöne Gesichter lächeln mir mit feinen Gesichtszügen entgegen, die aussehen wie aus Mahagoni geschnitzt. Auch die Männer bewegen sich mit der Körperspannung und Grazie eines Leopards und Jägers. Am meisten fasziniert mich bei den vielen unterschiedlichen Guides, die uns durch Regenwald, Wetlands, zu den Schimpansen und Gorillas, durch den Queen Elizbeth Park und über den Kazinga Channel führen - das Lachen! Die Bereitschaft zum Lachen ist sehr groß und ich lasse mich bereitwillig anstecken. Es ist so warm, intensiv, echt und natürlich und ich spüre, dass es ganz tief und instinktiv aus dem Herzen kommt. Sobald man sich in die Augen schaut, fangen die Backen an, sich zu einem breiten Grinsen auseinander zu ziehen, das schnell in einem offenen Lachen endet. Alle einzelnen Gesichtszüge lachen mit. Vor allem die großen braunen, glänzenden Augen, die dabei aufrichtig und entspannt den Blick halten. Mit zwei Guides lache ich mich ohne großen Austausch wortlos kaputt. Ein tolles, herzliches Gefühl.

 

Ich spüre bisher in keinem Moment und an keinem Ort kriminelle, angespannte Energie. Es gibt auch kein spürbares Gefälle und Klassenunterschiede wie in Südafrika. Hier werden die Lodges und Bandas von Schwarzen geführt. Man sieht bis auf bei den Touristenhighlights wenig Weiße. Hier sind wir die Gäste - die sehr gastfreundlich empfangen werden.

Was mir auch auffällt: Es gibt nirgendwo Zäune. In Südafrika ist alles abgezäunt. In Uganda ist das ganze Land ein einziger großer Nationalpark, in dem die Tiere sich frei bewegen können. Es kann durchaus passieren, dass eine Elefantenherde die gut ausgebaute Straße überquert oder Löwen in der Dämmerung auf dem Aspahlt liegen. Sobald wir von der Straße abfahren, kann die Safari beginnen. Die Menschen, die über die Straßen zur Arbeit laufen müssen, haben keine Angst vor dem Großwild (außer vor Büffeln - diese geben keine Warnung, bevor sie angreifen). Man lebt friedlich im Einklang miteinander und zählt sich, auf Gegenseitigkeit beruhend, nicht zum Beuteschema. Diese Freiheit gefällt mir außerordentlich gut.  

 

Unser Driver bestätigt meine Wahrnehmungen. Er liebt dieses Land und seine unvergleichliche Schönheit und ist glücklich aus Uganda zu kommen und in Uganda zu leben. Er hat auch in Kenya und Tanzania gelebt und gearbeitet. Aber sein Herz ist immer in Uganda geblieben. Lediglich der Kongo sei vergleichbar schön - aber er wisse um die Gefahr für uns Touristen den Kongo zu bereisen. Südafrika habe nichts mit Afrika zu tun, spricht er mir aus der Seele, es sei etwas für Touristen und Senioren. Ganz meiner Meinung. Auch wenn ich Südafrika durchaus seine eigenen Reize zusprechen kann. Aber es ist nicht das Gleiche. Nicht vergleichbar...

Das Highlight unserer Tour, die Gorillas, erwartet uns fast am Ende, am vorletzten Tag. Aber bereits vorher haben wir uns mit Eindrücken und Erlebnissen vollgetankt, viel erlebt und gesehen: Wir sind durch Teiles des Regenwalds gelaufen, haben die scheuen Schimpansen tief im Kibale Forest gesucht und gefunden (98,4 % gleiches Erbgut wie der Mensch), haben einen Game-Drive im Queen Elizabeth Nationalpark unternommen und dabei nochmal eine andere faszinierende Pflanzen- und Tierwelt entdeckt, sind durch die Wetlands spaziert, um Kleintiere, Pflanzen und Vögel zu entdecken und sind auf einer Bootsfahrt auf dem Kazinga Channel bei einem tosenden Unwetter fast untergegangen - wir hatten die Wahl entweder mitten auf dem See von Blitzen erschlagen oder am Ufer von Krokodilen gefressen oder von Büffeln und Nilpferden attackiert zu werden. Nachdem der Captain kurz abgewägt hatte, sind wir an einer von Monstern scheinbar nicht besetzten Stelle unsanft an Land gegangen, haben das Boot vertäut und pitschnass, frierend und bangend unter einem Bäumchen gewartet, bis das Unwetter vorbei gezogen ist.

 

Am Freitag, den 28. September 2012, brechen wir schließlich früh morgens in die Nebelwälder von Bwindi auf, um den letzten freilebenden sanften Riesen zu begegnen. Aber erst nachdem wir in einem Holzverschlag mehrere Teile von selbstgedrehten Ruckel-Videos in schlechter Bildqualität über die Exkursionen im Urwald anschauen durften, die von einer Off-Stimme eines Einheimischen synchronisiert wurden, der auch chinesisch hätte reden können. Hinterher bestand die Möglichkeit, diese selbstgebrannten Scheiben für nur je 25 USD erwerben. Wir erwiderten ausweichend, dass wir es uns noch überlegen würden.

 

Neben einigen wilden Gorillas gibt es nur drei habituierte Gorilla-Familien, die im Rainforest im südlichen Uganda leben. Ein paar weitere gibt es in Ruanda und im Kongo, insgesamt etwa 300 noch lebende Gorillas. Wir haben Glück und werden der größten Gruppe mit 21 Exemplaren und vielen Babies und Jungtieren zugeteilt. Vorher werden uns die Tiere der zugewiesenen Gruppe als Collage in einer laminierten Folie für weitere 25 USD angeboten. Es würde jedoch auch Sinn machen, gleich alle drei Collagen zu kaufen, dann würde man die Namen aller Gorillas in Uganda kennen. Wir beschließen, selber einen Versuch zu unernehmen, gute Aufnahmen von den Gorillas zu machen. 

Dann werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass der Auf- und Abstieg ohne Wanderstöcke nur schwer möglich sei. Davon stand leider nichts auf unserer vom Öko-Reiseveranstalter zur Verfügung gestellten, detaillierten Packliste. So geht es scheinbar auch allen anderen. Wir haben nun die Wahl, die zugegebenermaßen nett aussehenden, selbst geschnitzten Holzstöcke zu mieten für 5 USD oder diese für 10 USD zu erwerben.

 

Zusammen mit bewaffneten Guides, einigen Trägern und sechs weiteren Gästen setzt sich unser Trupp um 8 Uhr morgens mitsamt einem Schwung gemieteter Holzstöcke in Bewegung, folgt den Spuren und geht auf die Suche. Die Maschinengewehre seien zum Schutz vor wilden Tieren gedacht. Wir haben jedoch auf der Karte gesehen, dass der Regenwald an den Vulkanbergen die Grenze zwischen dem Kongo und Uganda darstellt, und gelesen, dass sich die Rebellen gerne darin verstecken. In diesem Sinne hoffen wir, nicht Gebrauch der Schusswaffen zur Selbstverteidigung machen zu müssen. Die Träger, dessen Unterstützung man für eine Zusatz-Zahlung in Höhe von 15 USD erwerben kann, schnallen sich die Rucksäcke, die mit Wasserproviant, Regenjacken und Lunchpaketen bepackt sind, auf die Rücken. 

Was ich zu Anfang für Geldmacherei halte, entpuppt sich bereits nach der ersten Stunde als sinnvolle Investition. Zwei Kilogramm werden mit Schnappatmung, schweren Beinen und schweißdurchtränkten Kleiderlagen schnell zu gefühlten acht Kilogramm. Ein weiterer Vorteil der "Porter": Manch einer mit nicht so guter Grundkondition wird die glitschigen Steilhänge von oben hochgezogen und von hinten hochgedrückt, wie wir es bei zwei Damen um die 60 beobachten können, die offensichtlich nicht in der Lage sind, einen überlegten Schritt vor den anderen zu setzen. Das scheint für die Guides jedoch ein gewohntes Bild abzugeben. Sie nehmen dies zum Anlass und rühren die Werbetrommel: wir werden beauftragt, jeden den wir kennen zu den Gorillas zu schicken. Man würde schließlich auch etwas gutes mit der hohen Permit leisten, versucht man uns zu ködern. Auch vor den Großeltern sollen wir mit der Überzeugungsarbeit nicht stoppen. Für diese wäre eigens eine 911-Gruppe eingerichtet worden. Das bedeutet: will der Opa die Gorillas sehen, so kann er sich von mehreren Portern die Steilhänge im Regenwald hinauf und wieder herunter tragen lassen. Die Kosten dafür, darauf wurde mehrfach eindringlich drauf hingewiesen, würden dabei vom Gewicht abhängen. Dabei gehen fettleibige Amerikaner für 350 USD über den Tisch, während ein abgemagerter Opa für nur 300 USD transportiert wird. Auch ein praktisches Geschenk mit einem schönen Ende, wenn man den Opa loswerden will, überlege ich mir finster. Mir geht diese Schröpferei so langsam richtig auf die Nerven.

Generell würde ich mich als sehr tolerant einschätzen, gerade was die Großzügigkeit gegenüber Bedürftigen angeht und auch gegenüber ihrem Verhalten, das doch oft in den ärmeren Ländern durchblicken lässt, dass man uns zwangsläufig als "die reichen, weißen Europäer" sieht, die mit rührseeligen Geschichten oder durch direktes Betteln gemolken werden sollen. Dafür habe ich Verständnis und versuche diplomatisch damit umzugehen. Diese impertinente Unverhältnismäßigkeit, was die Höhe der Beträge angeht, macht mich jedoch wütend. Eine eingeschweißte Kopie soll mehr kosten, als eine Person hier in zwei Monaten verdient? Da stimmt die Relation nicht. Zudem erwarte ich für eine Permit in Höhe von 500 USD, von der ein großer Teil dem aufwendigen Schutz der Gorillas zugute kommt, dass ein ausgeliehener Spazierstock oder der Service eines Porters inklusive ist. Aber ich beruhige mich schnell wieder. Die Gorillas sind nun mal die größte Touristenattraktion im Land und es wäre verwunderlich, wenn man nicht versuchen würde, daraus eine Goldgrube zu machen. Ich hoffe, dass die Unberührtheit fernab vom Gate und Startplatz in den Dschungel noch lange bewahrt bleiben wird und sich hier nicht in Kürze einige 5-Sterne Luxus-Hotels niederlassen, weil das Geschäft so lukrativ ist. Derzeit gibt es in der unmittelbaren Nähe von Bwindi jedoch nur drei in die Landschaft integrierte, wunderhübsche Lodges, von denen wir eine bewohnen.

Nach zwei Stunden schweißtreibendem Auf und Ab finden wir schließlich an einem Steilhang teils am Boden, teils in den Bäumen Früchte verzehrend die Gorillas. Eine Stunde lang dürfen wir mit einem vorgegebenen Mindestabstand von sieben Metern, der nicht immer eingehalten werden kann (manchmal nur ein Meter), weil sowohl die Menschen als auch die Gorillas am rutschigen Hang ins Schlittern kommen und elegant auf ihren Allerwertesten plumpsen, bei den Gorillas weilen. Die Zeit verfliegt besonders kurzweilig durch die Kapriolen der tollpatschigen Gorilla-Babys. Aber wir sind überrascht, dass sich auch die erwachsenen Herrscher des Regenwaldes derart schwerfällig und wenig elegant bewegen. Möglicherweise ist das auf ihren deutlich ausgeprägten Kugelbauch zurück zu führen. Ein Zeichen von Wohlstand? Nach der viel zu kurzen Zeit müssen wir schließlich den Rückweg antreten, auf dem wir diesem Erlebnis nachspüren können. In mir wird definitiv eine große Sehnsucht im Herzen zurück bleiben, noch einmal in diesem Leben an diesen Ort und zu diesen uns so ähnlichen Geschöpfen zurück zu kehren.